Was man über das Krankenversicherungssystem wissen sollte

Deutschlands Krankenversicherungssystem gilt als das älteste soziale Versicherungssystem weltweit. Bereits im Jahre 1883 wurde unter Otto von Bismarck ein Gesetz erlassen, das vor allem Arbeitnehmern der unteren Einkommenschicht eine Pensions-, Invaliden- und Unfallversicherung garantieren sollte. Im Laufe der Zeit wurde das staatliche Krankenversicherungssytem aber auf alle Bevölkerungsschichten ausgeweitet.

Mittlerweile sind rund 85 Prozent der Deutschen staatlich oder familienversichert, 11 Prozent haben sich hingegen für eine private Versicherung entschieden. Einer der Vorteile einer Privatversicherung ist für uns, dass sich die zu zahlenden Prämien nach dem individuellen Leistungsumfang, der Gesundheit des Versicherten und dessen Alter richten. Insbesondere für vitale, junge Männer kann hierin eine Kostenersparnis liegen. Ältere Menschen und Frauen zahlen hingegen tendenziell höhere Prämien. Ursächlich dafür ist, dass etwa die Hälfte aller Gesamtausgaben für das Gesundheitswesen (rund 125 Milliarden jährlich) für die Behandlung, Pflege und Rehabilitation von Menschen über 65 Jahre ausgegeben werden. Gleichermaßen liegen die Behandlungskosten für eine Frau im Schnitt um 25 Prozent pro Jahr höher als für einen Mann.

Lediglich ein Bruchteil von 0,3 Prozent der Deutschen sind ohne Krankenversicherungsschutz. Seit der Einführung der Allgemeinen Krankenversicherungspflicht nach § 193(3) VVG am 01.01.2009 hat sich diese Zahl nochmals verringert. Einige Bevölkerungsschichten sind aber von der Krankenversicherungspflicht ausgenommen. Dazu zählen unter anderem Asylbewerber, Empfänger von Heilfürsorge und Empfänger laufender Leistungen nach dem Zwölften Buch des Sozialgesetzbuchs. Seit 2004 ist es auch Sozialhilfeempfängern und Asylbewerbern im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung möglich, eine elektronische Gesundheitskarte zu erhalten, deren Leistungen aus Steuereinnahmen beglichen werden. Für andere Bevölkerungsschichten ist die Krankenversicherungspflicht hingegen obligatorisch. Dies gilt beispielsweise für Geringverdiener, deren Einnahmen unter 450 Euro monatlich liegen, Studierende, Praktikanten und Pensionäre, denen wir oftmals auch eine Familienversicherung empfehlen.

Einer der größter Kritiker des deutschen Krankenversicherungsystems ist übrigens der SPD-Politiker Karl Lauterbach, der in der Differenzierung zwischen privat und staatlich Versicherten die Manifestierung einer Zwei-Klassen-Gesellschaft sieht. Dies lässt sich unseres Erachtens nicht direkt belegen, jedoch stimmt es, dass die privaten Versicherungen aus den Abgaben der gesetzlich Versicherten mit rund 10 Milliarden Euro jährlich subventioniert werden.